Auch als Mama darf ich sexy sein

Mein Weg zum Übergewicht und wie ich es wieder los wurde.

Oh wow, gestern Abend war ich richtig schockiert, als wir alte Bilder anschauten. „Was für eine Transformation äußerlich und innerlich“, dachte ich stolz. Aber was ist passiert in den letzten Jahren?

Mein Aussehen, jetzt mal ganz oberflächlich gesagt, war mir immer irgendwie wichtig. Ich möchte mich in meiner Haut wohlfühlen. Als Kind war ich übergewichtig, hatte wenig Ahnung von gesunder Ernährung und fühlte mich nicht schön. Später dann, als Jugendliche, machte ich immer wieder Diäten, verlor Gewicht und war zeitweise richtig schlank. Ein normales Essverhalten hatte ich dennoch nicht. Sehr konsequente Phasen, in denen ich strikt Diät hielt, wurden immer wieder durch Fressattacken unterbrochen. Ich hatte eine Lade mit Süßigkeiten, die ich nie öffnete, bis ich plötzlich – ausgelöst durch eine stressige Situation – alle Leckereien auf einmal verschlang. Den Begriff „Binge-Eating“ kannte ich damals noch nicht, zumindest war diese Essstörung noch nicht Inhalt in meiner Schulbildung. Niemandem fiel mein gestörtes Essverhalten auf, denn ich war schlank und zeigte beim alltäglichen Essen keine Auffälligkeiten.

Als ich mit Anfang 20 schließlich Emanuel kennen lernte, stellten wir schnell fest, dass „gesunde“ Ernährung ein gemeinsames Interesse von uns beiden ist. Wir motivierten uns gegenseitig, meldeten uns bei einem Fitnessstudio an und und waren bestrebt unsere Körper zu formen.

Es dauerte nicht lange, bis wir eine Ernährungsform verfolgten, die einen Cheat-Day vorsah. Wie ihr euch denken könnt, endeten diese Tage in Fressorgien. An diesen Cheat-Days begann ich schon morgens Schokolade in mich hineinzustopfen. Obwohl ich merkte, dass es mir nicht gut tat, hatte ich trotzdem das Gefühl, dass ich das jetzt brauche. Das starke Gefühl mir etwas zu gönnen wurde kurze Zeit später vom schlechten Gewissen und negativen Gefühlen überdeckt.

2013 erwarteten wir unseren ersten Sohn. Wir reflektierten unsere Prioritäten und beschlossen, dass wir noch vor der Geburt mehr Entspannung in unsere Ernährung bringen wollen. Sprich, wir wollten keine Kalorien mehr zählen und die Lebensmittel nicht mehr so streng in „gut“ und „böse“ einteilen.
Zur selben Zeit kamen neue Interessen auf, denen wir mit großem Eifer nachgingen: Permakultur, Selbstversorgung und ein Leben in Gemeinschaft. Ich versuchte mir einzureden, dass mein Körper schon weiß, was er braucht und aß damals wonach mir war. Als Mutter von später zwei und dann drei Kindern, war ich stets bestrebt meine Sportlichkeit nicht aufzugeben, doch es war schwierig und ich konnte keine Routine aufrecht erhalten.

Die Jahre vergingen und die Kilos wurden mehr, was ich aber gar nicht stark bemerkte, weil ich 1.) Kleidung von früher schon längst hergegeben hatte und 2.) so alternative Kleidung in der Regel recht lose ist. Heute würde ich sagen, dass ich mich damals „gehen ließ“. Ich machte keinen Sport, obwohl er mir ohne Zweifel gut getan hätte, ordnete meine Bedürfnisse unter, nahm mich selbst nicht wichtig genug und legte keinen großen Wert auf mein Äußeres, schließlich will man sich ja nicht über Oberflächlichkeiten definieren. Ich hörte auf mich zu schminken, mich attraktiv anzuziehen und konzentrierte mich, zumindest redete ich mir das ein, auf meine innere Entwicklung.

Es gab immer wieder Phasen, in denen ich versuchte ein paar Kilos zu verlieren. Doch der Erfolg blieb aus. Mir fehlte das Durchhaltevermögen, ich hatte keinen Plan und vor allem glaubte ich nicht daran, dass ich es schaffen würde. Ich war der Meinung, dass jeder Körper ein „Wohlfühlgewicht“ hat, zu dem er immer wieder versucht zurückzukehren. Diese Annahme führte dazu, dass mein Wunsch gesund abzunehmen lediglich ein Luftschloss war. Zudem wollten wir auch vermeiden, dass unsere Kinder ein komisches Verhältnis zu ihrem Körper(gewicht) bekommen und lebten deswegen einen möglichst entspannten Umgang mit Essen vor.

Mittlerweile wog ich 88 kg, so viel wie noch nie zuvor. Ich machte zwar schon seit langer Zeit 16-8-IF (intermittierendes Fasten), aber ansonsten aß ich in großen Mengen alles worauf ich Lust hatte. Schränkte ich mich einmal für einige Tage ein, folgten dann wieder Tage, an denen ich abends mehr als eine Tafel Schokolade und zusätzlich noch viele weiteren Kalorien verzehrte.

Letztes Jahr im Sommer hat sich bei mir plötzlich was verändert. Ich merkte stark in mir ein Bedürfnis mich wieder ernster zu nehmen und auf meine Bedürfnisse zu achten. Ich begann wieder mit Sport und spürte wie viel Lebensfreude mir meine tägliche Laufrunde im Wald brachte.

In dieser Zeit zogen wir um und irgendetwas Seltsames passierte mit mir. Ich weiß nicht was es war und wie es passiert ist, aber eine Transformation folgte. Ich nahm mein Leben plötzlich wieder selbst in die Hand, nahm mich mit meinen Bedürfnissen ernst und ich fühlte mich so frei wie schon lange nicht mehr. Ich meldete mich zu einem Jumping-Kurs und später auch noch in einem Fitnessstudio an, wo ich bis heute mehrmals pro Woche trainiere.

Kurz vor Weihnachten 2018 beschloss ich, dass ich bis Ende 2019 65 kg wiegen möchte. Zumindest wollte ich wieder ins Normalgewicht rutschen (laut BMI bei mir zwischen 52-66 kg). Dieses Mal merkte ich, dass ich es wirklich ernst meinte, dass ich mich wirklich ernst nahm. Ich war motiviert und entschlossen. Es war mir wichtig. Ich war mir wichtig! So war es dann auch. Ich begann per App meine Kalorien konsequent mitzuschreiben, mir aber nichts zu verbieten.

Schnell verbuchte ich Erfolge und halte jetzt seit April konstant mein Gewicht zwischen 57 und 58 kg (20 kg weniger!). Mein Äußeres und mein inneres Lebensgefühl haben sich um 180 Grad gewandelt. Ich fühle mich wieder wie die „alte Jacqueline“, wie damals, als ich Emanuel kennen lernte. Ich bin wieder mehr „Ich“, mehr bei mir, bei meinem wahren Wesenskern. Ich sehe auf den Fotos jetzt eine glückliche Frau, mein Lächeln wirkt ganz anders als noch vor einem Jahr und davor.

Mittlerweile schreibe ich seit knapp drei Monaten keine Kalorien mehr mit. Kalorien zu „tracken“ war definitiv mein Weg, um zu meinem Wunschgewicht zu kommen, aber es war und ist nicht mein Ziel. Ich bin erstaunt wie leicht es mir fällt mein Gewicht zu halten ohne einem ständigen Hungergefühl oder einem Gefühl des Verzichtens.

Ich faste nach wie vor 16 Stunden, aber mein „Essensfenster“ hat sich geändert. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mehr Sättigung verspüre, wenn ich frühstücke und ab 16 Uhr faste (siehe Frühstücken wie ein Kaiser?). Ich esse möglichst unverarbeitete Lebensmittel, bin bemüht Süßes zu genießen und maßvoll damit umzugehen, versuche meine Bedürfnisse hinter meinem manchmal aufkommenden „Guster“ verstehen zu lernen. Ich gehe 2 bis 3 mal pro Woche ins Fitnessstudio und mir die Zeit für mich auch einfach zu nehmen. Ich bin stolz auf mich und meiner Leistung, aber weiß, dass es keine rein körperliche Entwicklung war, sondern eine äußerliche und innerliche Transformation, deren Nährboden das regelmäßige Reflektieren und Erkennen von Zusammenhängen war.

Ich bin sicher nicht am Ziel, aber momentan auf einem für mich sehr guten Weg und ich hoffe, dass ich weiterhin so strahlen darf, wie ich es momentan mache.

Wie du dir vielleicht vorstellen kannst, hat es mir eine große Portion Mut gekostet diesen privaten Einblick zu veröffentlichen.

Danke, dass du bis hierher gelesen hast. Mit diesem sehr persönlichen Bericht möchte ich auch dir Mut machen und dir sagen:

  • Sei dir wichtig!
  • Nimm dich selbst ernst!
  • Du darfst ganz Frau sein!
  • Du darfst sexy sein!

Alles Liebe

Jacqueline

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